Techniken und Regeln III: das Schlankschneiden
Diese Schnitttechnik wurde von Johanns Bilharz entwickelt, der sie über viele Jahre in der Praxis getestet und erprobt hat. Auch ich habe meine ersten Versuche vor zwei Jahren begonnen und kann ihre Wirksamkeit bestätigen.
Das Schlankschneiden ist in Situationen angebracht, in denen das Entfernen ganzer Äste zu riskant, oder die Schnittwunde zu groß würde. Gleichzeitig harmonisiert man das Wachstum sehr stark treibender Bäume. Ein Ast, der eigentlich entfernt, stattdessen aber so in seinem Wachstum mittelfristig gehemmt werden soll, wird schlank geschnitten. Hierbei kann man von außen nach innen, aber auch in umgekehrter Richtung vorgehen. Sämtliche Verzweigungen des betreffenden Astes werden entfernt eingekürzt/abgeleitet, oder ebenfalls schlank geschnitten. Es verbleibt also die Spitze des Astes als seine Wuchsachse, in der der Hauptanteil der Nährsalze transportiert wird, bestehen. Alle Abzweige jedoch, die bisher Assimilate über die Blätter gesammelt haben, werden entfernt. Es entsteht, physiologisch betrachtet, ein produktiver Ast, der jedoch in seiner Entwicklung so stark gehemmt wurde, dass er nicht viel mehr Zuwachs generieren kann als den, den seine verbleibende Triebspitze zuwege bringt.
Es kann mal sein, dass trotz korrektem Vorgehen der schlankgeschnittene Ast abstirbt. Dann hat man etwas ZU schlank geschnitten. Andersherum kann es auch mal passieren, dass starke Austriebe (Wasserreiser) aus Schnittwunden oder schlafenden Augen irgendwo am Ast entstehen. Die Gründe hierfür können vielfältig sein (siehe Wuchsgesetze). Hier ist der lernbegierige Baumpfleger gefordert: Stand der Ast zu steil? War er einer der obersten Äste im Baum? Oder wurde er sehr freigestellt, so dass er nun mehr belichtet wird? Diese Fragen kann einem der Baum meistens beantworten!