Techniken und Regeln VII: das Abknicken
Diese Methode kommt aus dem Obstbaubereich und hat mehrere positive Effekte. Zum einen können damit junge Triebe, die an der richtigen Stelle, bloß etwas zu steil wachsen korrigiert werden. Zum anderen bringt man ihn dadurch schneller zum Blühen und Früchte tragen.
Man nimmt dafür den zu behandelnden Trieb in beide Hände und knickt ihn über beide Daumen, die man einander gegenüber sich berührend unter den Trieb hält. Es darf kein Abbruch passieren, sondern es müssen lediglich etwa die Hälfte der Holzfasern reißen. Der Trieb ist dann an der Unterseite noch unversehrt und an der Oberseite sieht man den Bruch. Lässt man nun los und der Trieb knickt nach unten ab, schneidet man ihn so kurz, bis er die gewünschte Position beibehält. Diese Verletzung heilt noch im selben Jahr und verwächst wieder sehr stabil, wenn sich nicht in der Zwischenzeit ein Vogel auf dem Ast niederlässt und er doch abbricht.
Will man an der Stammmitte flach wachsende Fruchtäste erziehen, die Austriebe sind aber sehr steil, dann kann man sich mit dem Abknicken gut behelfen. Als Faustregel gilt jedoch: An bleibenden Ästen, also der Stammmitte, den Leitästen und ihren Seitenästen wird diese Technik nicht angewendet, um Verletzungen jeder Art dort zu vermeiden. Auch ist das Abknicken ab einer bestimmten Triebdicke und Verholzung nicht mehr möglich, weil einem dann der Ast ganz durchbricht. Aber diese Grenze findet man am Besten durch eigenes Probieren heraus.