Techniken und Regeln VI: der Juniriss
Im Juni ist eine denkbar ungünstige Zeit zum Schneiden von Bäumen, außer man will das Wachstum stark bremsen und aktiv Blattmasse entfernen. Dann bietet es sich an, die neu sich bildenden Wasserreiser (nicht die regulären Jahrestriebe aus echten Knospen!) zu entfernen. Dies geht ganz ohne den Einsatz einer Schere und zwar durch das beherzte Abreißen des Triebes. Diesen packt man mit der Hand und reißt ihn entgegen seiner Wuchsrichtung aus. Da Wasserreiser aus schlafenden Knospen entspringen, die immer mal wieder im Bereich des Bastes, also außerhalb des Holzkörpers gebildet werden, können diese mitsamt eventueller Beiknospen mit dem Juniriss entfernt werden und es treibt an dieser Stelle kein neuer Ast aus. Diesen Effekt kann man durch bloßes Abschneiden nie erreichen, weil die erwähnten Beiknospen, ganz verborgen (bei Kirschen gut sichtbar) an der Triebbasis, nicht mit entfernt werden.
Später im Jahr ist diese Maßnahme aber eher schädlich als hilfreich, weil man dann die Rinde nach unten mit einreißt und eine Wunde hinterlässt. Hier muss dann wieder einfach bündig geschnitten werden.