Techniken und Regeln VIII: das Spreizen und Hochbinden

In der Jungbaumpflege hat man es vorwiegend mit der Erziehung einer statisch stabilen und ökonomisch sinnvoll aufgebauten Krone zu tun. Unsere Obstbäume verstehen davon aber leider nicht viel, also müssen wir etwas nachhelfen.

Wächst ein Ast zu steil, kann er mit einem eigens dafür hergestellten Spreizholz auf Abstand gebracht werden. Alternativ kann er manchmal auch mit einem Band nach außen oder unten gebunden werden. Selbes gilt für Äste, die zu flach wachsen. Hier kann nur das Band zum Korrigieren der Wuchsrichtung zur Hilfe genommen werden.

Das Spreizholz wird vor Ort individuell hergestellt. Ein abgeschnittener Ast, oder ein gesammelter Trieb von z.B. Hasel wird zunächst an einem Ende mit der Rosenschere so von beiden Seiten her schräg bis zur Mitte eingeschnitten, dass ein Keil herausfällt und das Triebende eine V-Form aufweist. Nun wird der zu spreizende Ast so weit abgebogen, wie es sein muss und das Spreizholz wird dazwischen gehalten, um die benötigte Länge festzustellen. Ist diese mit gutem Augenmaß ermittelt, wird der zweite Keilschnitt vorgenommen, der die schrägen Einschnitte nun ebenfalls zur Mitte des Spreizholzes gerichtet bekommt. Das fertige, handwerklich hergestellte Obstbaum-Erziehungs-Hilfsmittel wird nun so zwischen die Äste geklemmt, dass es durch den Druck des abgespreizten Astes hält und es sich auch mit beiden Enden so gut an geeigneten Unebenheiten, Knubbeln oder Aststummeln abstützt, dass es sogar dann nicht herausfällt, wenn man den behandelten Ast schüttelt. Tatsächlich sollte man dies zur Qualitätskontrolle wirklich tun, denn wenn das Spreizholz beim nächsten Windstoß herausrutscht, hätte man es nicht mühevoll herstellen müssen! Will man einjährige Triebe abspreizen, steht man schnell vor dem Problem, dass an demselben keine Stelle zu finden ist, an der das Spreizholz Halt finden kann. In diesem Falle empfehle ich das Anknicken des Triebes, jedoch nur so schwach, dass weniger als die Hälfte der Holzfasern reißen. Dies kann auch an einer weiteren Stelle am Trieb geschehen. Wunden dieser Art verheilen in der nachfolgenden Vegetationsperiode und der Trieb verholzt in der Stellung, in die er geknickt wurde.